"Vom Zucker zum Impfstoff"

Neue Abteilung „Biomolekulare Systeme“ am Potsdamer Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung etabliert

28. August 2008

Eine neue Abteilung für „Biomolekulare Systeme“ hat im Sommer 2008 unter Leitung von Prof. Peter Seeberger ihre Arbeit aufgenommen. Die Wissenschaftler um den renommierten deutschen Chemiker setzen am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung neue Methoden zur Synthese von Zuckerketten ein. Komplexe Zucker sind allgegenwärtig als Zellbeschichtungen in der Natur und können damit auch für die Impfstoffentwicklung, z. B. gegen Malaria dienen. Das Arbeitsgebiet, in dem gerade in den letzten Jahren äußerst wichtige Fortschritte erzielt wurden, wird die interdisziplinäre Forschung am Institut wesentlich bereichern.

Der Direktor der neuen Abteilung für „Biomolekulare Systeme am Max-Planck-Institut Kolloid- und Grenzflächenforschung, Prof. Peter Seeberger.

Kohlehydrate bedecken alle Zellen des menschlichen Körpers und spielen eine entscheidende Rolle bei der molekularen Erkennung von Zelloberflächen und damit bei Infektionen, Immunreaktionen und Krebsmetastasen. Bis vor Kurzem
fehlte eine chemische Synthesemethode, um biologisch relevante Kohlehydrate mit bekannter Struktur in größeren Mengen herzustellen und sie damit für die biologische, pharmazeutische und medizinische Forschung zur Verfügung zu stellen. Prof. Seeberger hat diese Lücke geschlossen und die erste automatisierte Syntheseapparatur entwickelt, um Zuckermoleküle mit anderen Zuckern oder auch Molekülen zu verknüpfen. Diese „Zuckermaschine“ baut die Kohlehydrate mittels Festphasen-Synthese aus einem Alphabet von etwa 30 Monosacchariden auf. Auf diese Weise gelingt es ihm, Kohlehydrate mit vorgegebener Architektur in großen Mengen und in kurzer Zeit zu synthetisieren.

Mit der automatisierten Kohlehydrat-Synthese und den Kohlehydrat-Microarrays hat Prof. Seeberger die Voraussetzungen für die Weiter- und Neuentwicklung von Zuckerbasierten Medikamenten und Impfstoffen geschaffen. Ein Beispiel ist das Impfen mit einem Glykolipid des Malaria-Parasiten, dessen Wirksamkeit von Herrn Seeberger in Tierversuchen nachgewiesen werden konnte. Weitere Beispiele sind die chemische Synthese von Heparin und die Entwicklung eines möglichen Impfstoffes gegen die Tropenkrankheit Leishmaniose. Für seine chemischen und biochemischen Studien erhielt Herr Seeberger zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Körber-Preis 2007.

Doch warum kam Prof. Dr. Peter Seeberger von der ETH Zürich nach Potsdam, um die neue Abteilung am Max-Planck-Institut aufzubauen? In erster Linie, so Seeberger, „weil im Raum Berlin-Brandenburg phantastische Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Die Max-Planck-Gesellschaft bietet Forschern Möglichkeiten, die es an keinem anderen Eliteinstitut in den USA oder in Europa gibt. Das MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm ist eines der herausragenden Chemie-Institute in Deutschland. Die enge Zusammenarbeit mit der FU Berlin und den Krankenhäusern der Region wird es uns erlauben, unsere Grundlagenforschung in Zukunft noch schneller in Impfstoffe für Patienten zu verwandeln“.

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