Deutsch-Französischer Gay-Lussac-Humboldt-Preis und Humboldt-Forschungspreis gehen an Prof. Clément Sanchez

Der Materialwissenschaftler ist ein ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet der organisch-anorganischen Hybridmaterialien, die z.B. bei der Kunstkonservierung als Antikorrosionsbeschichtung eingesetzt werden.

23. April 2008

Clément Sanchez, Forschungsdirektor am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) und Direktor des “Laboratoire de Chimie de la Matière Condensée de Paris” an der Université Pierre et Marie Curie in Paris, erhält den mit 22.000 EUR dotierten Gay-Lussac-Humboldt-Preis und den mit 60.000 EUR dotierten Humboldt-Forschungspreis. Der Chemiker wird als Gast ab April 2008 am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung forschen.

Prof. Clément Sanchez

Auf der Nanoskala kombiniert die Natur seit 500 Millionen Jahren organische und anorganische Elemente zu intelligenten, natürlichen Hybridmaterialien wie z.B. Muscheln oder Knochen. Allgemein versteht man unter Hybrid ein aus unterschiedlichen Arten oder Prozessen zusammengesetztes Ganzes. Die Besonderheit liegt darin, dass die zusammengebrachten Elemente für sich Lösungen darstellen, durch das Zusammenbringen aber neue, erwünschte Eigenschaften entstehen.

Solche organisch-anorganischen Hybridmaterialien werden seit jeher auch vom Menschen für das Materialdesign eingesetzt (z.B. ägyptische Tinten oder prähistorische Fresken). So hält das Farbpigment Mayablau, eine Mischung aus natürlichem Indigoblau und Tonmineralien, schon seit zwölf Jahrhunderten den rauen Bedingungen im Dschungel stand. In den historischen Freskenmalereien der Maya leuchtet der Farbton fast immer noch so frisch wie am Tag seiner Entstehung.

Die Nanochemie und physikalischen Eigenschaften sowohl dieser Materialien als auch von organisch-anorganisch auf Metalloxiden basierenden Gelen sind Spezialgebiete von Prof. Sanchez. Die Herstellung, die Eigenschaften sowie die Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Katalyse, der Biosensoren und -reaktoren und Beschichtungen stehen dabei im Fokus seiner Arbeit.

So kann das aus dem 14. Jahrhundert stammende Mosaik „Das jüngste Gericht“ an der St. Vitus Kathedrale in Prag mittels einer hybriden organischanorganischen Antikorrosionsbeschichtung vor Umwelteinflüssen nachhaltig geschützt werden. Aber auch in der Zahnmedizin können diese Materialien als Füllverbundstoffe eingesetzt werden. Die spezielle Zusammensetzung erfüllt dabei gleichzeitig die Anforderungen an die geeignete Härte, Elastizität und Wärmeausdehnung. In Zusammenarbeit mit Prof. Markus Antonietti, Direktor der Abteilung Kolloidchemie, wird Prof. Sanchez insbesondere an neuartigen Katalysatoren sowie Fragen der Kontrolle ungewöhnlicher Nanostrukturen arbeiten.

Gay-Lussac-Humboldt-Preis
Der Gay-Lussac-Humboldt-Preis wird gemeinsam vom französischen Ministére d’ Education Nationale und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung vergeben. Der Preis ist mit je 22.000 Euro dotiert und für einen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt im Partnerland bestimmt. In seinem 25. Jahr wird dieser Preis an hervorragende deutsche und französische Wissenschaftler verliehen, die mit ihrer exzellenten Arbeit und ihrem Engagement zur Stärkung der deutsch-französischen Forschungszusammenarbeit beigetragen haben.

Humboldt-Forschungspreis
Herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachgebiete aus dem Ausland, deren grundlegende Entdeckungen, Erkenntnisse oder neue Theorien das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen auch in Zukunft weitere Spitzenleistungen erwartet werden, können für den Humboldt-Forschungspreis nominiert werden. Die Preisträger werden eingeladen, ein langfristiges Forschungsvorhaben in Kooperation mit Fachkollegen in Deutschland für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr an Forschungseinrichtungen in Deutschland durchzuführen. Der Aufenthalt kann zeitlich aufgeteilt werden. Die Humboldt-Stiftung vergibt jährlich bis zu 100 Humboldt- Forschungspreise. Die Nominierung erfolgt durch ausgewiesene Wissenschaftler in Deutschland. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert.

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