Baumrinde – Ein Material mit Zukunft

Der zweite Preis beim Ideenwettbewerbs 2020 der Jungen Akademie in der Kategorie "Visions" geht an ein Team, das am Potsdamer Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung zu neuen Konzepten für Biomaterialien forscht.

10. August 2020
Das Model trägt eine gewebte Jacke aus flexibilisierter Kiefernrinde.

Baumrinde – ein Abfallprodukt mit Potenzial

Baumrinde ist ein Abfallprodukt der traditionellen Holzindustrie, aber auch ein lokaler Rohstoff mit Potenzial im Bereich der nachhaltigen Materialinnovation. Die Nutzung von Rinde ist in mehrfacher Hinsicht Ressourcen schonend. Als Nebenprodukt der Holzindustrie wird sie entweder zu Briketts verarbeitet oder als Abfallprodukt verbrannt und verursacht dabei einen unnötigen CO2 Ausstoß. Im Rahmen der Doktorarbeit von Charlett Wenig untersuchte „The Bark Project“ daher diesen bislang noch zu wenig beachteten Rohstoff basierend auf materialfokussierten Analysen. Dabei wurden neben wissenschaftlichen auch gestalterische Methoden verwendet. „Neben dem Zusammenspiel von praktischem Design und wissenschaftlicher Grundlagenforschung interessierte uns dabei vor allem die Entwicklung nachhaltiger Designkonzepte mit Rinde als Ausgangsmaterial.“ erläutert Charlett Wenig. Gemeinsam mit Johanna Hehemeyer-Cürten hat sie festgestellt, dass Baumrinde als Abfallprodukt der Holzindustrie bislang weitestgehend ungenutzt bleibt. Dabei sind die Möglichkeiten einer ressourcenschonenden Weiterverwertung unglaublich breit: Sie reichen von der Verarbeitung zu Glasuren bis hin zu Textilfasern.

Nachhaltige Textilien mit ästhetischer Vision

„The Bark Project“ hat die Jury überzeugt, weil es wissenschaftliche Grundlagenforschung zur materiellen und chemischen Beschaffenheit von Baumrinde mit einer starken ästhetischen Vision von nachhaltigen Textilien verbindet. Die Erforschung der materiellen und chemischen Charakteristika von Rinde und die daraus resultierende Entwicklung neuer Konzepte für Biomaterialien, die für zukünftige Designszenarien von Bedeutung sein könnten, wird durch die Forschungsarbeit am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) ermöglicht.

Dabei lebt dieses Forschungsprojekt von der engen interdisziplinären Zusammenarbeit am Institut. So kreierten Materialwissenschaftler, Biologen, Produkt- und Modedesigner gemeinsam neue Ideen für die innovative Bearbeitung und Anwendung von Rinde.  Durch eine umweltverträgliche, traditionelle Methode kann Kiefernrinde in nur einem Arbeitsschritt flexibilisiert werden, wodurch sich zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnen, sowohl in der Mode („Stoffe“, Accessoires), als auch im Bereich des Interieur Designs (Wandbehänge, Tapeten, die Raumluft und Akustik positiv beeinflussen, Läufer, Möbel).

Am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung findet diese Forschungsarbeiten u. a. im Rahmen des Exzellenzclusters „Matters of Activity“ statt, wo mehr als 40 Disziplinen an aktiven Materialien und Strukturen forschen.

Ideenwettbewerbs 2020 der Jungen Akademie

Im Rahmen dieses Online-Wettbewerbs der Jungen Akademie suchte die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit bis zum 15. Mai 2020 Beiträge, die sich visionär oder konkret mit einer nachhaltigen Zukunft auseinandersetzen. In den zwei Kategorien „Visions“ und „Solutions“ konnten die Teilnehmenden digitale Beiträge aller Art einreichen, von Bildern und Videos über Texte und Lieder bis hin zu multimedialen Inhalten. Zu gewinnen gab es in beiden Kategorien jeweils 2.000, 1.500 und 1.000 Euro für die drei besten Beiträge. 

Ausführliche Informationen zu allen Preisträger*innen und den prämierten Ideen finden Sie unter https://2020.diejungeakademie.de/.

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